Typische Anzeichen sind unbekannte Apps, ungewöhnlicher Daten- und Akkuverbrauch, fremde Anmeldecodes und Nachrichten, die Sie nicht gesendet haben; ändern Sie dann zuerst Passwörter von einem sauberen Gerät aus.

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Das Smartphone läuft plötzlich heiß, der Akku hält nur noch einen halben Tag, und Freunde berichten von merkwürdigen Nachrichten, die angeblich von Ihnen stammen. Ein Hackerangriff ist dann eine mögliche Erklärung, aber bei weitem nicht die einzige. Dieser Ratgeber hilft Ihnen, harmlose Ursachen von echten Warnzeichen zu unterscheiden, und beschreibt, was Sie in welcher Reihenfolge tun sollten, wenn sich der Verdacht erhärtet.
Was „gehackt“ in der Praxis meist heißt
Selten übernimmt ein Angreifer das komplette Gerät aus der Ferne. Weit häufiger sind drei Szenarien: Ein Konto, etwa bei Google, Apple, einem Messenger oder einem Online-Shop, wurde übernommen, weil das Passwort bekannt war. Eine App mit unerwünschten Funktionen, etwa Adware oder Spionagesoftware, wurde installiert. Oder jemand mit Zugriff auf das Gerät, etwa ein Ex-Partner, hat Überwachungssoftware eingerichtet. Alle drei Fälle hinterlassen Spuren, die Sie selbst prüfen können.
Anzeichen, die Aufmerksamkeit verdienen
| Beobachtung | Mögliche harmlose Ursache | Wann es verdächtig wird |
|---|---|---|
| Akku leert sich auffällig schnell | Neues Update, schwacher Empfang, alter Akku | Unbekannte App mit hohem Verbrauch, auch im Standby |
| Gerät wird warm | Laden, Spiele, Sonneneinstrahlung | Wärme im Ruhezustand ohne laufende Apps |
| Hoher Datenverbrauch | Streaming, Cloud-Backup | Große Datenmengen bei Apps, die Sie kaum nutzen |
| Unbekannte Apps | Vorinstallierte Herstellersoftware | Apps, die Sie nie installiert haben und die Rechte wie Bedienungshilfen verlangen |
| Unerwartete Anmelde- oder Bestätigungscodes | Vertippte Telefonnummer eines Dritten | Wiederholt Codes für Dienste, die Sie nicht aufgerufen haben |
| Nachrichten, die Sie nicht geschrieben haben | Gefälschter Absender | Chats oder Posts erscheinen im Verlauf Ihres Kontos |
| Pop-ups, Weiterleitungen im Browser | Werbenetzwerke auf unseriösen Seiten | Auch nach Neustart und in anderen Apps |
Ein einzelnes Symptom beweist wenig. Mehrere gleichzeitig, vor allem zusammen mit unbekannten Apps oder Kontozugriffen, rechtfertigen einen genauen Blick.
Erste Sofortmaßnahmen
- Von einem anderen, sauberen Gerät aus die Passwörter der wichtigsten Konten ändern: E-Mail, Google- beziehungsweise Apple-Konto, Banking, Messenger. Ändern Sie nur dort, wo Sie sicher sind, dass das neue Passwort nicht abgegriffen wird.
- Aktive Anmeldungen beenden: In den Kontoeinstellungen gibt es die Liste angemeldeter Geräte. Melden Sie dort unbekannte Geräte ab.
- Zwei-Faktor-Schutz einschalten, falls noch nicht geschehen, und vorhandene Methoden prüfen.
- Bank informieren, wenn Bank- oder Zahlungs-Apps betroffen sein könnten. Der zentrale Sperr-Notruf lautet 116 116.
- Mobilfunkanbieter kontaktieren, wenn Sie vermuten, dass Ihre SIM-Karte übernommen wurde, etwa weil das Telefon plötzlich ohne Netz ist.
Android prüfen
Auf Android-Geräten gehen Sie so vor:
- Öffnen Sie den Play Store, tippen Sie oben rechts auf Ihr Profilbild und wählen Sie Play Protect → Scannen.
- Gehen Sie in den Einstellungen → Apps und prüfen Sie die Liste. Deinstallieren Sie alles, was Sie nicht kennen und nicht brauchen.
- Kontrollieren Sie besondere Berechtigungen: Je nach Hersteller finden Sie unter Einstellungen → Apps → Spezieller App-Zugriff die Punkte „Geräteadministratoren“, „Bedienungshilfen“ und „Installation unbekannter Apps“. Unbekannte Einträge sind verdächtig.
- Rufen Sie Einstellungen → Akku und Datennutzung auf und sehen Sie nach auffälligen Verbrauchern.
- Starten Sie in den abgesicherten Modus (Ausschalttaste lange halten, dann „Ausschalten“ lange antippen). Verschwinden die Symptome dort, steckt wahrscheinlich eine nachinstallierte App dahinter.
Ergänzend bietet Google einen Sicherheitscheck für das Konto an; die Einstiegsseite finden Sie über support.google.com unter dem Stichwort „Sicherheitscheck“.
iPhone prüfen
iPhones sind durch das geschlossene System weniger anfällig für gewöhnliche Schadsoftware, aber nicht immun, besonders bei Kontoübernahmen und Manipulation durch Personen, die das Gerät kennen.
- Öffnen Sie Einstellungen → Datenschutz & Sicherheit → Sicherheitscheck. Dort sehen Sie, mit wem Standort und Daten geteilt werden, und können Zugriffe schnell zurücksetzen.
- Tippen Sie unter Einstellungen → [Ihr Name] auf die Geräteliste und entfernen Sie unbekannte Geräte.
- Prüfen Sie Einstellungen → Allgemein → VPN & Geräteverwaltung. Unbekannte Konfigurationsprofile sollten Sie entfernen.
- Gehen Sie die App-Liste durch und sehen Sie unter Datenschutz & Sicherheit nach, welche Apps Zugriff auf Standort, Mikrofon und Kamera haben.
- Installieren Sie ausstehende Updates für iOS und Apps.
Für Personen mit besonderem Risiko, etwa Journalisten oder Aktivisten, gibt es den Lockdown-Modus unter Einstellungen → Datenschutz & Sicherheit → Lockdown-Modus. Er schränkt Funktionen stark ein und ist für Normalnutzer im Alltag meist zu restriktiv. Aktuelle Anleitungen finden Sie bei support.apple.com.
Wenn nichts hilft: Zurücksetzen
Bleibt der Verdacht bestehen, ist ein Zurücksetzen auf Werkseinstellungen die gründlichste Lösung. Sichern Sie zuvor nur Fotos, Kontakte und Dokumente, nicht aber ein komplettes Geräte-Backup, weil sich darin versteckte Schadsoftware wiederfinden könnte. Auf Android finden Sie die Funktion unter Einstellungen → System → Optionen zurücksetzen → Alle Daten löschen (Bezeichnungen variieren), auf dem iPhone unter Einstellungen → Allgemein → iPhone übertragen/zurücksetzen → Gerät löschen. Richten Sie das Gerät danach als neu ein, laden Sie Apps nur aus dem offiziellen Store und aktivieren Sie sofort Bildschirmsperre und Zwei-Faktor-Anmeldung.
Sonderfall SIM-Tausch
Beim sogenannten SIM-Swapping überzeugen Betrüger den Mobilfunkanbieter, Ihre Rufnummer auf eine andere SIM-Karte zu übertragen. Danach erhalten sie SMS-Codes, die für Konten und Bankfreigaben gedacht sind. Ein typisches Alarmsignal ist, dass Ihr Telefon ohne ersichtlichen Grund keinen Empfang mehr hat, obwohl andere im selben Netz telefonieren können. Rufen Sie in diesem Fall umgehend den Anbieter über eine zweite Nummer an, lassen Sie die SIM sperren und setzen Sie Passwörter zurück. Wo möglich, ersetzen Sie SMS-Codes durch eine Authenticator-App; viele Mobilfunkanbieter bieten zudem eine zusätzliche Kundenkennwort-Abfrage bei Änderungen an.
Seien Sie bei Angeboten für „Handy-Reinigung“ oder „Hacker-Rückholung“ im Netz skeptisch. Unseriöse Anbieter nutzen die Verunsicherung nach einem Vorfall, um Geld zu verlangen oder zusätzliche Zugriffe auf Ihre Geräte zu erhalten. Vertrauen Sie den Werkzeugen von Apple und Google sowie Ihrer Bank und deren Hotline.
Konto gehackt oder Gerät gehackt?
Diese Unterscheidung bestimmt das weitere Vorgehen. Bei einem übernommenen Konto genügt es meist, Passwörter zu ändern, fremde Sitzungen zu beenden und den Schutz zu verstärken. Das Gerät selbst kann sauber sein. Bei einem manipulierten Gerät hilft das neue Passwort allein nicht, weil Schadsoftware die Eingabe mitlesen kann. Dann ist die Reihenfolge wichtig: zuerst das Gerät bereinigen oder zurücksetzen, danach erneut alle Passwörter ändern. Wer unsicher ist, geht vorsichtshalber den längeren Weg.
Beweise sichern und Hilfe holen
Bevor Sie Apps löschen oder das Gerät zurücksetzen, lohnt es sich, Hinweise festzuhalten: Screenshots von unbekannten Apps, verdächtigen Nachrichten, Anmeldehinweisen per Mail und auffälligen Kontobewegungen. Notieren Sie Datum und Uhrzeit. Diese Unterlagen helfen bei einer Anzeige, gegenüber Ihrer Bank und bei Rückfragen des Anbieters. Wenn Sie geschäftlich betroffen sind, informieren Sie außerdem Ihre IT-Betreuung und prüfen Sie, ob Meldepflichten nach Datenschutzrecht bestehen. Im Zweifel hilft eine Beratung durch Fachleute.
Schutz für die Zukunft
- Updates für Betriebssystem und Apps zeitnah installieren.
- Apps nur aus dem App Store oder Play Store laden und selten genutzte Apps entfernen.
- Einen Passwort-Manager nutzen und überall unterschiedliche Passwörter vergeben.
- Misstrauisch gegenüber Links in Nachrichten bleiben, mehr dazu unter Phishing.
- Bildschirmsperre mit Biometrie und eigener PIN einrichten, die niemand sonst kennt.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik fasst Basisschutz für Mobilgeräte auf bsi.bund.de zusammen.
Fazit
Ein heißes Gerät oder ein schneller Akkuverlust sind für sich genommen noch kein Beweis. Entscheidend sind Muster: unbekannte Apps, fremde Anmeldungen, Codes ohne Anlass. Gehen Sie ruhig der Reihe nach vor, sichern Sie zuerst die Konten, prüfen Sie dann das Gerät, und greifen Sie erst zum Zurücksetzen, wenn Kontrolle und Bereinigung nicht ausreichen.
Begriffe in diesem Beitrag
Häufige Fragen
Kann man ein Handy durch einen Link hacken?
Ein Link allein reicht selten. Gefährlich sind gefälschte Anmeldeseiten, das Installieren von Apps aus unsicheren Quellen und das Bestätigen von Berechtigungen. Halten Sie das System aktuell.
Wie erkenne ich Spionage-Apps?
Achten Sie auf unbekannte Apps, Einträge unter Geräteadministratoren und Bedienungshilfen, ungewöhnlichen Akku- und Datenverbrauch sowie auffällige Berechtigungen für Mikrofon und Standort.
Hilft ein Werksreset gegen Hacker?
In den meisten Fällen ja, weil installierte Schadsoftware entfernt wird. Stellen Sie danach kein vollständiges Backup wieder her, sondern übertragen Sie nur Fotos, Kontakte und Dokumente.
Was tun bei unerwarteten Bestätigungscodes?
Fordern Sie keine Codes an, geben Sie keine weiter und ändern Sie das Passwort des betroffenen Kontos. Prüfen Sie die Anmeldeaktivität und aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Anmeldung.
Muss ich einen Hackerangriff anzeigen?
Sie können Anzeige bei der Polizei erstatten, besonders wenn Schaden entstanden ist. Die Anzeige hilft auch gegenüber Banken und Versicherungen.


